Open Data – Marketing Fakes

Heute bin ich auf einen bemerkenswerten Artikel von Aral Balkan, dem Gründer von Ind.ie gestoßen, der beschreibt, wie Unternehmen auf den Open-Data-Zug aufspringen und mit der Begrifflichkeit der Open-Data-Bewegung Marketing machen. Er betitelt das “The Orwellian doublethink of ‘open data – When closed is open” (so viel wie: “Open Data – Schönsprech – wenn geschlossen offen ist”).

Die Firma, um die es im Artikel geht, ist OpenSensors(dot)io – ein Unternehmen, das Software, Apis und eine Publikations-Plattform für das “Internet of Things” (IoT) anbietet. Ich bin vor einiger Zeit auf deren Website gestoßen und es hat einige Minuten gedauert, bis zu erkennen war, daß es hier nicht primär um Open Data, sondern um Marketing geht.

“Offen” ist vielleicht nur ein Köder

Aral Balkan kritisiert bei OpenSensors, daß mit der Nutzung der Plattform ein Lock-In entsteht und daß das Unternehmen daher nicht den Begriff “Open” im Namen führen sollte. Das sei letzten Endes eine Irreführung.

Genauso wie der breiten Mitmach-Bewegung im Web 2.0 kann es nach Balkan auch der Open-Data-Bewegung gehen: “Lasst uns mitmachen. Nutzen wir die tollen Möglichkeiten dieser kostenlosen Plattformen für unsere private Kommunikation. Stell deine Fotos ins Netz, damit wir sie alle sehen können.” Die Begriffe “Mitmachen” und “Kostenlos” waren die Köder des Social Web. Am Ende beanspruchen aber die Unternehmen / Plattformen das Eigentum an diesen Inhalten und führen sie einer umfassenden Monetarisierung zu, meist ohne Rücksicht auf die Privatsphäre des Einzelnen.

Viele Unternehmen, die ja im wesentlichen profitorientiert und alles andere als “offen” sind, haben erkannt, daß sie durch die Partizipation, die durch die Teil-Öffnung ihrer Daten oder Source Codes entsteht, eine Menge gewinnen können. Zentrale Bestandteile des Codes bleiben aber urheberrechtlich geschützt. Google tut das schon immer, aber auch Microsoft und viele andere nutzen die Möglichkeiten heute zu ihrem Vorteil.

Was bedeutet “offen” überhaupt noch

Nach Balkan ist ein Unternehmen dann offen, wenn es zum Gemeineigentum an Daten, Wissen oder Anwendungen beiträgt, keine Verwertungsrechte daran für sich reserviert und den Nutzern keine Nutzungsvereinbarung auferlegt. Ein Beitrag ist dann “offen”, wenn
– alle Zugang haben
– niemand diesen Zugang willkürlich widerrufen kann, weder technisch noch aufgrund rechtlicher Grundlagen
– er keinen Privatinteressen dient
… und viele weitere Punkte, die ich hier nicht aufführen will

Er beklagt, daß der Begriff “Offen” inzwischen inflationär gebraucht wird. Das mag in den USA vielleicht so sein, im deutschsprachigen Raum habe ich diesen Eindruck noch nicht. 

opendatahandbook
Das Open Data Handbook

Umso wichtiger ist es, zu definieren, was “offen” ist und was nicht. Die Open Knowledge Foundation leistet hier mit der Open Definition und dem Open Data Handbook Grundlagenarbeit. 

Ich denke, es ist zu begrüssen, wenn Unternehmen im Bereich von Open Data oder Open Knowledge einen Beitrag leisten wollen. Es liegt auf der Hand, daß für ein Unternehmen damit ein gewisses Geschäftsmodell verknüpft sein muss. Das kann ein wichtiger Treiber für die Entwicklung der Bewegung sein.

Umso wichtiger aber ist, daß alle, die an den Open-Data und Open-Knowledge – Prinzipien interessiert sind, aufmerksam beobachten, wo nur Marketing-Fassaden aufgebaut werden oder das Prinzip der Offenheit durch ein Geschäftsmodell korrumpiert wird.

Wer ist schon auf Unternehmen gestoßen, wo  “Open Data” nur eine Marketing-Schablone ist? Wer kann Beispiele nennen, wo der Open-Data-Gedanke korrumpiert wird?  Ich bitte um Kommentare.